Wöchentliche Fastentipps Fasten ist etwas Ganzheitliches, meinen die beiden Therapeutinnen Sr. Almuth Haneberg und Sr. Petra Kropf. Sie betreiben eine Naturheilpraxis in Waldkraiburg. Die beiden Ordensschwestern vom "Missionsorden vom Heiligsten Erlöser" wollen für alle Menschen da sein, unabhängig von Konfession oder Herkunft. An dieser Stelle geben sie Fastentipps.
Den Terminkalender frei machen
Obwohl Fastenzeit ist, und obwohl ich mir vorgenommen habe, zu mir zu kommen, ist mein Terminkalender wieder sehr voll: Es sind einige Abendtermine, es ist am Wochenende was drin, und es ist auch tagsüber eins nach dem anderen. Das muss ich jetzt mal angehen. Ich werde einfach mal meinen Terminkalender durchschauen und den ein oder anderen Termin streichen oder auf ein paar Wochen später verschieben, wenn es möglich ist. Dann kann ich am Abend mal zu Hause bleiben, die Füße auf's Sofa legen, hoffen, dass niemand anruft oder einfach nicht ans Telefon gehen. Dann kann ich den Abend mit mir verbringen und offen werden für verschiedene Gedanken und Fragen, die ich habe; vielleicht auch für meine religiösen Bedürfnisse. Und damit das auch wirklich klappt, trage ich mir diesen Termin in meinen Terminkalender ein, damit ich dann auch wirklich für mich Zeit habe. Denn wie hat schon Karl Valentin gesagt: "Jetzt besuch' ich mich. Mal sehen, ob ich daheim bin."
Den Alltag umtopfen
Ich habe mir für die Fastenzeit vorgenommen, meine Pflanzen mal wieder umzutopfen. Denn wenn ich sie mir genauer ansehe, stelle ich fest, dass einige ein bisschen bedürftig aussehen. Gerade im Frühling ist es aber wichtig, Bedingungen für ein gutes Wachstum zu schaffen und zu schauen, dass z.B. frische Erde da ist. Beim Umpflanzen kann ich dann über die Wachstumsbedingungen nachdenken, die die Pflanzen brauchen und die ich selbst brauche - da wird mir dann Einiges deutlich. Ich kann mich auch an den äußeren Gegebenheiten orientieren, denn das Pflanzen-Umtopfen orientiert sich ja nach dem Mondkalender. Der Mond beeinflusst unser Wachstum und so schaue ich mal wieder in den Himmel, schaue, wie die Sterne stehen. Wenn ich schneide, dünge oder Ableger mache, dann finde ich es immer besonders schön, zu beobachten, wie die Pflanzen danach wieder neu wachsen - und diesen Vorgang bewusst wahr zu nehmen.
Spirituelles Putzen
Spirituelles Putzen ist etwas, das ich mir für die Fastenzeit immer wieder vornehme. Es geht dabei nicht darum, dass ich mit Spiritus putze, sondern, dass ich das Putzen und das Saubermachen als etwas sehe, das mir in meinem Glaubensleben und mir als Mensch einfach gut tut. Mir fällt dazu gleich mein Fenster ein, das schon ziemlich trüb geworden ist. Das sieht man vor allem, wenn die Sonne drauf scheint und da freue ich mich jetzt richtig darauf, es in den nächsten Wochen mal wieder klar zu putzen, damit ich den Durchblick bekomme und damit auch den Blick habe, über meine vier Wände hinaus zu sehen und zu erkennen, dass es noch etwas anderes gibt außer mir und meinen Problemen. Genauso ist es auch bei meinem Schreibtisch: Da herrscht ziemliches Chaos, und so muss ich ab und zu ordnen und mir den Überblick verschaffen. Zum einen, damit ich nach dem Wochenende wieder anfange, gerne zu arbeiten und zum anderen, dass ich Überflüssiges los werde und mich einfach öffnen kann für das, was es sonst noch gibt - auch für Gott und für meine Religiösität.
Meditativer Spaziergang Ich mache in der Fastenzeit oft ganz bewusst einen Spaziergang, weil ich mir damit etwas Gutes tun kann, und weil ich dabei zur Ruhe komme. Ich nutze das für mich als Möglichkeit, auch einen "geistlichen" Spaziergang zu machen. Darunter kann ich zum Beispiel verstehen, dass ich meine Sinne ganz bewusst einsetze, dass ich mal versuche, bewusst auf die Geräusche zu hören, die in meiner Umgebung sind, oder dass ich bewusst schaue, was mir auf dem Weg alles begegnet. Der Spaziergang wird dann geistlich, wenn ich anfange wahrzunehmen: die Stimmung, das Wetter oder auch meine eigene Stimmung. Und das ist etwas, das ich jeden Tag machen kann, wenn ich das möchte. Es hat ja letztlich auch etwas mit Meditieren zu tun. Denn wenn ich so bewusst wahrnehme,bin ich ganz bei mir, bin ganz gesammelt und ganz konzentriert. Es gibt auch die Möglichkeit, bei so einem Spaziergang einfach einen Satz mitzunehmen, der mich beschäftigt, den ich vielleicht in der Zeitung gelesen habe, oder der in einem Gedicht steht, das ich gut kenne, oder ein Satz aus einer Bibelstelle. Und mit diesem Satz kann ich spazieren gehen und ihn in meinen Gedanken und in meinem Herzen bewegen.
Bewusst essen Fasten heißt ja nicht nur, dass ich auf etwas verzichte; es kann auch bedeuten, dass ich z.B. bewusster esse, dass ich das Essen mit allen Sinnen genieße, dass ich schmecke und rieche und anschaue, was ich esse, und mir einfach auch Zeit dafür lasse. Ich kann auch mal nur etwas ganz einfaches kochen, z.B. einfach mal nur Kartoffeln, und schauen, wie diese Kartoffeln schmecken. Denn oft ist da ganz viel dabei oder es ist ganz stark gewürzt und ich kann gar nicht mehr genau wahrnehmen, was denn genau der Eigengeschmack der Speise ist. Und wichtig finde ich dabei auch, dass ich nebenbei nichts anderes tue; dass ich wirklich ganz beim Essen bin und nicht nebenbei die Zeitung lese oder intensive Diskussionen führe oder im Radio die Nachrichten anhöre, sondern einfach mich auf das Essen konzentriere. Es ist gut, dass ich einfach wahrnehmen kann, wieviel Hunger ich habe, dass ich wahrnehmen kann, wann ich satt bin. Ich habe dann ein besseres Gefühl und bin nicht so voll und kann den Tag besser genießen. Entschleunigung Es ist gut, einfach mal langsamer zu machen. Also ganz modern nennt man das ja entschleunigen. Das heißt ganz einfach, ich lass mir für die Dinge, die ich tue, einfach mehr Zeit. Alle sind gestresst, haben so viel zu tun und meinen sie, kommen nicht mehr nach. Manchmal geht es deshalb vielleicht besser, wenn ich mir mehr Zeit nehme, weil ich dann intensiver bei der Sache bin und die Dinge besser erledigen kann, als wenn ich mich innerlich so hetze. Wenn ich doch viel zu tun habe und alles schnell gehen muss, ist es manchmal hilfreich einfach eine Atempause zu machen: mich zwischen zwei Dingen mal bewusst hinzustellen, bevor ich zum nächsten Termin gehe und dreimal tief durchzuatmen, damit ich dann wieder weiß, wie es mir gerade geht, wo ich bin und was ich als nächstes mache. Da gibt es im Alltag ganz viele Möglichkeiten. Zum Beispiel, wenn ich im Auto fahre und an der Ampel stehen bleiben muss: das kann ich ganz gezielt als Pause nutzen und mich sogar freuen, dass ich jetzt zwei Minuten da stehe. in dem Moment denke ich eben nicht "Oh je, wann geht's jetzt wieder weiter". Oder wenn ich auf die U-Bahn warte: einfach ein bisserl durchschnaufen und die Pause geniessen. | |
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Die Autorinnen dieses Begleiters durch die Fastenzeit gehören dem katholischen Frauenorden der Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser an. Angesprochen werden in diesem Büchlein die Frauen, wenngleich auch Männer daraus Gewinn ziehen können. Einleitend werden Ratschläge gegeben, wie man dieses Büchlein als Wegweiser durch die Fastenzeit nutzen kann. mehr → |
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